Mittwoch, 22. August 2012
DAS ÜBEL LIEBE
juppstexte, 12:11h
Die Liebe hemmet nichts;
sie lutscht enthemmt am Schokoriegel,
Pommes, Ketch und Majo fürchterlichst;
schlinget jeden Scheiß in sich.
Sie ist vom Anbeginn wie verdorbenes Geflügel,
da das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist.
sie lutscht enthemmt am Schokoriegel,
Pommes, Ketch und Majo fürchterlichst;
schlinget jeden Scheiß in sich.
Sie ist vom Anbeginn wie verdorbenes Geflügel,
da das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist.
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Samstag, 18. August 2012
Patchwork
juppstexte, 18:36h
CHRISTIANE
Leben unter der Patchworkdecke
Schon sehr, sehr lange, zumindest seit die HEILIGE SCHRIFT geschrieben ist, wissen wir, was ein einwandfreier Stammbaum ist. „ADAM: SETH: ENOS: KENAN/ MAHALALEEL/ Jared/ Henoch/ Methusalah/ Lamech/ Noah/ Sem/ Ham/ Japheth.
Die Kinder Japhet sind diese/ Gomer/ Magog/ Madai/ Jauan/ Thubal/ Mesech/ Thiras. Die Kinder aber Gomer sind/ Ascenas/ Riphat/ Thogarma. Die Kinder Jauan sind/ Elisa/ Tharsisa/ Chitim/ Dodanim.“ (D. Martin Luther, Die gantze Heilige Schrift, Band 1, DTV 1974, S. 740)
Ein ordentliches Kind, und ein deutsches zumal, hat ordentliche Eltern und alle haben einen ordentlichen, einwandfreien Stammbaum zu haben. Wie soll denn ein Kindsegen zu staatstragenden Bürgern gedeihen, wenn die Mutter nicht standesamtlich registriert, und in gleicher Weise ein Vater amtlich beglaubigt ist? Also braucht es richtige Eltern („richtig“, also mit amtlichem Siegel versehen), von denen alleine auch Geschwister herkommen, bis der Tod sie scheidet. Die richtigen Eltern ihrerseits stammen von richtigen Großmüttern und Großvätern ab, von denen Tanten und Onkeln, von diesen wiederum Cousinen und Cousins abstammen, weshalb es saubere, amtliche Stammbäume über Generationen hinweg gibt. Klar, übersichtlich, ordentlich, in Klarsichtsfolien in DIN A4-Leitzordnern, geordnet unter einem Übersichtsregister ablegbar.
Wen wundert es angesichts der heutzutage grassierenden, unübersichtlichen, unordentlichen, nahezu gemeinschaftszersetzenden Verhältnisse, dass Teilzeitabschnittslebenspartner ihr (?) Kind nicht mehr beim Pfarrer zur Taufe vortragen? Was soll denn der Arme in das leinengebundene „Stammbuch der Familie“ eintragen, da die klaren Stammbäume von wildem Gebüsch und verästelten Netzwerken überwuchert sind (es soll nicht verschwiegen werden, dass es auch noch weitere, gute Gründe für solches Verhalten gibt, aber das ist ein anderes Thema)? Wie sollen die Betroffenen – wenn es wieder einmal soweit ist – einen lückenlosen Rassenachweis führen? Seit urdenklichen Zeiten führen wir Grundstücksregister, um zu wissen, wer der Eigentümer eines Flurstücks ist, man muss doch eindeutig wissen, wem das Betreten verboten ist. Und genau aus gleichem Grunde brauchen wir weiterhin Stammbäume und Stammbücher, um zu wissen, wer amtlich als Frucht von welchem Acker anzusehen ist, den andere nicht betreten dürfen. Klare Ordnung und klarsichtfoliengeeignete Zuordnung ist die grundlegende Voraussetzung jeglicher abendländischen Moralität, die uns eine nicht hinterfragbare Richtschnur dafür gibt, was „Sitte, sittliches Verhalten“ (Duden Lexikon, rororo 1966, S. 1463, Stichwort: Moral) ist.
Geben Sie es doch zu, selbst ein CDU-Mit-Glied wäre gerne mit von der Partie gewesen – wäre er sicher, dass es nicht in die Presse gelangt -, als Christiane an ihrem 40. Geburtstag ihren Jürgen (den 4. in der Reihenfolge ihrer sequentiell Festen) in die mit Bachblütensud gefüllte Badewanne legte, und ihn mit einem halben Dutzend Räucherstäbchen sich selbst überließ, da gerade der Gerold (einer aus der Reihe der aktuellen Parallelen) ihr einen Höhepunkt als Beitrag zum Fest zu liefern versprach.
Ein Fest, das trotz seiner vordergründigen Bescheidenheit, ein Zeichen für die gesellschaftliche Struktur unseres neuen Jahrtausends setzt. Bei einem kleinen Champagnerfrühstück (als inzwischen arrivierte, nicht mehr selbst Gebatiktes tragende Oberstudienrätin und, als grüne Quotenfrau, stellv. Aufsichtsrätin des örtlichen Wasserkraftwerkes gehört sich das einfach) im „engsten Kreis“ (wie auf dem Einladungsschreiben stand) hatte Christiane – kürzlich von „BRIGITTE“ als vorbildliche, alleinerziehende Mutter geadelt - ihre beiden, inzwischen halbwüchsigen Kinder ihren jeweils vermutlichen Vätern und auch ihrem derzeitigen festen Sequentiellen, fast volljährigen Jürgen (der gerade in der Bachblüten-Badewanne kam) vorgestellt. Das war der angemessene Auftakt für ein heiteres Familienfest zum 40. von Christiane (immerhin trug ihr derzeitiger Feierabendpartner Jürgen bereits Sakko zu den Jeans, und es war zu erwarten, dass er mit seiner Volljährigkeit zum Dreiteiler wechseln würde). Dieter, nach ein paar nicht sehr befriedigenden Selbstfindungsversuchen und mehreren Schnäppchenjagden, die einem nüchternen Preis-Leistungsverhältnis nicht standhielten, ihr Erster von den Sequentiellen, hatte sich immer noch nicht von seinem Flanellhemd getrennt (einer der Gründe, weshalb auch seine kurze Zeit mit Christiane folgenlos blieb). Der 2.-sequentielle Herbert, mit dem es Christiane besonders gerne trieb (er war so kreativ-empfindsam und aufgeschlossenen allen neuartigen Erfahrungen gegenüber), soeben von seiner 7. Erinnerungswallfahrt nach Gorleben zurückgekehrt, zum Friseur gegangen und frisch geduscht nahm seine (wie er immer noch glaubt und bezahlt) Tochter Anna umarmend in die Arme. Johannes (sequentiell gezählt der Dritte) beglückwünschte Christiane zum trefflichen Gedeihen derselben, wobei er Christiane ein Leinensäckchen gefüllt mit biologischen Kirschkernen als vorbeugenden Schutz gegen Rheuma zum 40. überreichte. Dann begrüßte er Joho (der tatsächlich von ihm war). Schon bei Begrüßung gab es so genügend Erzählstoff für den engsten Familienkreis, um ganz zwanglos etwas miteinander zu plaudern, Erfahrungen auszutauschen, wobei im Gespräch sogar mehrfach das Stichwort von der „guten, alten Zeit“ fiel, die doch so übersichtlich war. Die ersten festen Sequentiellen und gelegentlichen Freizeitparallelen noch miteinander gut bekannt, keine Qual der Wahl vor dem Kleiderschrank, allenfalls: Baskenmütze oder Palästinensertuch, keine Qual der Wahl zwischen mehreren Parteien (es gab nur die eine Bewegung), ein wahres Paradies für einfache Leute. „Weißt du noch Christiane“, meinte Herbert, „damals im Wendland, wir hatten einfach nicht die Qual der Wahl, da wir einfach dasselbe wollten. Den Impetus müssen wir unserer Jugend weitergeben, auch wenn ich heute wegen der Bandscheiben den Schlafsack eher meide, aber es kommt ja auf den Kopf an.“ „Du darfst aber Herbert, bei aller notwendigen Realpolitik nicht vergessen“, warf Johannes ein, „dass das Elend in der Welt immer noch nicht, trotz unserer zahlreichen Proteste, geringer geworden ist. Ich bleibe bei meiner Linie. Ich opfere Jahr für Jahr meinen Urlaub und fliege zweimal zu den Entrechteten, schaue mir das an, protokolliere die sozialen Ungerechtigkeiten per Video und stelle dann meine Protestprotokolle ins Internet.“ Ein ganz normales Cocktailgespräch, wenn man in die Passatklasse aufgestiegen ist, und sich ein Erfahrungsaustausch über die ersten „Dritten“ als sehr erkenntnisfördernd erweist.
Wie in der guten, alten Zeit waren die ehemaligen Sequentiellen in tiefschürfende politische Diskurse geraten. Wovon Christiane sie erlöste, als sie gegen Mittag im „engsten Kreis“ ein von ihrem Lieblingsitaliener, der nur zum „Gelegenheitskreis“ zählt, „feuriges pollo al diavolo” und Prosecco servierte, bis dann gegen 15.00 Uhr auch der „erweiterte Familienkreis“, mit dem Christiane ihren 40. begehen wollte, anrückte. Da war auch der fast volljährige Jürgen aus der Badewanne gestiegen und wieder anwesend. Der Gerold hatte, nach seinem ersten Höhepunkt als Beitrag zum Fest wieder bürgerliche Kleidung angelegt und begrüßte, einen biologisch-ökologischen Rouge in der Hand haltend, den „erweiterten Kreis“ einzeln mit Küsschen rechts - Küsschen links. Christiane stellte beinahe alle ehemals Teilzeitparallelen allen ehemals Sequentiellen mit launigen Worten vor, wobei diese ohne größere Probleme ihre derzeitigen Lebensabschnittspartnerinnen dem Kreis der Feiernden zufügten, wobei der sich beträchtlich vermehrte, was in der Natur der Sache liegt.
Da füllte sich die reetdachgedeckte Kate (auch eine Oberstudienrätin und stellv. Aufsichtsrätin des örtlichen Wasserkraftwerkes, die einige Monate, also halbsequentiell, auch einen ortsansässigen Jungunternehmer zwischen den Beinen hatte, muss sich das leisten dürfen), und alle sangen „Happy birthsday ...“ und „So ein schöner Tag ...“, und erinnerten sich mit Wehmut daran, wie damals bei Gorleben der Widerstand so spontan, und der vermeintliche Widerstand von Christiane nur vorgetäuscht war. Aber, da hatten sich die Helden gerade erst auf¬gemacht, die Verhältnisse zu durchschauen, deren Folgen sie heute kaum noch überblicken können.
Leben unter der Patchworkdecke
Schon sehr, sehr lange, zumindest seit die HEILIGE SCHRIFT geschrieben ist, wissen wir, was ein einwandfreier Stammbaum ist. „ADAM: SETH: ENOS: KENAN/ MAHALALEEL/ Jared/ Henoch/ Methusalah/ Lamech/ Noah/ Sem/ Ham/ Japheth.
Die Kinder Japhet sind diese/ Gomer/ Magog/ Madai/ Jauan/ Thubal/ Mesech/ Thiras. Die Kinder aber Gomer sind/ Ascenas/ Riphat/ Thogarma. Die Kinder Jauan sind/ Elisa/ Tharsisa/ Chitim/ Dodanim.“ (D. Martin Luther, Die gantze Heilige Schrift, Band 1, DTV 1974, S. 740)
Ein ordentliches Kind, und ein deutsches zumal, hat ordentliche Eltern und alle haben einen ordentlichen, einwandfreien Stammbaum zu haben. Wie soll denn ein Kindsegen zu staatstragenden Bürgern gedeihen, wenn die Mutter nicht standesamtlich registriert, und in gleicher Weise ein Vater amtlich beglaubigt ist? Also braucht es richtige Eltern („richtig“, also mit amtlichem Siegel versehen), von denen alleine auch Geschwister herkommen, bis der Tod sie scheidet. Die richtigen Eltern ihrerseits stammen von richtigen Großmüttern und Großvätern ab, von denen Tanten und Onkeln, von diesen wiederum Cousinen und Cousins abstammen, weshalb es saubere, amtliche Stammbäume über Generationen hinweg gibt. Klar, übersichtlich, ordentlich, in Klarsichtsfolien in DIN A4-Leitzordnern, geordnet unter einem Übersichtsregister ablegbar.
Wen wundert es angesichts der heutzutage grassierenden, unübersichtlichen, unordentlichen, nahezu gemeinschaftszersetzenden Verhältnisse, dass Teilzeitabschnittslebenspartner ihr (?) Kind nicht mehr beim Pfarrer zur Taufe vortragen? Was soll denn der Arme in das leinengebundene „Stammbuch der Familie“ eintragen, da die klaren Stammbäume von wildem Gebüsch und verästelten Netzwerken überwuchert sind (es soll nicht verschwiegen werden, dass es auch noch weitere, gute Gründe für solches Verhalten gibt, aber das ist ein anderes Thema)? Wie sollen die Betroffenen – wenn es wieder einmal soweit ist – einen lückenlosen Rassenachweis führen? Seit urdenklichen Zeiten führen wir Grundstücksregister, um zu wissen, wer der Eigentümer eines Flurstücks ist, man muss doch eindeutig wissen, wem das Betreten verboten ist. Und genau aus gleichem Grunde brauchen wir weiterhin Stammbäume und Stammbücher, um zu wissen, wer amtlich als Frucht von welchem Acker anzusehen ist, den andere nicht betreten dürfen. Klare Ordnung und klarsichtfoliengeeignete Zuordnung ist die grundlegende Voraussetzung jeglicher abendländischen Moralität, die uns eine nicht hinterfragbare Richtschnur dafür gibt, was „Sitte, sittliches Verhalten“ (Duden Lexikon, rororo 1966, S. 1463, Stichwort: Moral) ist.
Geben Sie es doch zu, selbst ein CDU-Mit-Glied wäre gerne mit von der Partie gewesen – wäre er sicher, dass es nicht in die Presse gelangt -, als Christiane an ihrem 40. Geburtstag ihren Jürgen (den 4. in der Reihenfolge ihrer sequentiell Festen) in die mit Bachblütensud gefüllte Badewanne legte, und ihn mit einem halben Dutzend Räucherstäbchen sich selbst überließ, da gerade der Gerold (einer aus der Reihe der aktuellen Parallelen) ihr einen Höhepunkt als Beitrag zum Fest zu liefern versprach.
Ein Fest, das trotz seiner vordergründigen Bescheidenheit, ein Zeichen für die gesellschaftliche Struktur unseres neuen Jahrtausends setzt. Bei einem kleinen Champagnerfrühstück (als inzwischen arrivierte, nicht mehr selbst Gebatiktes tragende Oberstudienrätin und, als grüne Quotenfrau, stellv. Aufsichtsrätin des örtlichen Wasserkraftwerkes gehört sich das einfach) im „engsten Kreis“ (wie auf dem Einladungsschreiben stand) hatte Christiane – kürzlich von „BRIGITTE“ als vorbildliche, alleinerziehende Mutter geadelt - ihre beiden, inzwischen halbwüchsigen Kinder ihren jeweils vermutlichen Vätern und auch ihrem derzeitigen festen Sequentiellen, fast volljährigen Jürgen (der gerade in der Bachblüten-Badewanne kam) vorgestellt. Das war der angemessene Auftakt für ein heiteres Familienfest zum 40. von Christiane (immerhin trug ihr derzeitiger Feierabendpartner Jürgen bereits Sakko zu den Jeans, und es war zu erwarten, dass er mit seiner Volljährigkeit zum Dreiteiler wechseln würde). Dieter, nach ein paar nicht sehr befriedigenden Selbstfindungsversuchen und mehreren Schnäppchenjagden, die einem nüchternen Preis-Leistungsverhältnis nicht standhielten, ihr Erster von den Sequentiellen, hatte sich immer noch nicht von seinem Flanellhemd getrennt (einer der Gründe, weshalb auch seine kurze Zeit mit Christiane folgenlos blieb). Der 2.-sequentielle Herbert, mit dem es Christiane besonders gerne trieb (er war so kreativ-empfindsam und aufgeschlossenen allen neuartigen Erfahrungen gegenüber), soeben von seiner 7. Erinnerungswallfahrt nach Gorleben zurückgekehrt, zum Friseur gegangen und frisch geduscht nahm seine (wie er immer noch glaubt und bezahlt) Tochter Anna umarmend in die Arme. Johannes (sequentiell gezählt der Dritte) beglückwünschte Christiane zum trefflichen Gedeihen derselben, wobei er Christiane ein Leinensäckchen gefüllt mit biologischen Kirschkernen als vorbeugenden Schutz gegen Rheuma zum 40. überreichte. Dann begrüßte er Joho (der tatsächlich von ihm war). Schon bei Begrüßung gab es so genügend Erzählstoff für den engsten Familienkreis, um ganz zwanglos etwas miteinander zu plaudern, Erfahrungen auszutauschen, wobei im Gespräch sogar mehrfach das Stichwort von der „guten, alten Zeit“ fiel, die doch so übersichtlich war. Die ersten festen Sequentiellen und gelegentlichen Freizeitparallelen noch miteinander gut bekannt, keine Qual der Wahl vor dem Kleiderschrank, allenfalls: Baskenmütze oder Palästinensertuch, keine Qual der Wahl zwischen mehreren Parteien (es gab nur die eine Bewegung), ein wahres Paradies für einfache Leute. „Weißt du noch Christiane“, meinte Herbert, „damals im Wendland, wir hatten einfach nicht die Qual der Wahl, da wir einfach dasselbe wollten. Den Impetus müssen wir unserer Jugend weitergeben, auch wenn ich heute wegen der Bandscheiben den Schlafsack eher meide, aber es kommt ja auf den Kopf an.“ „Du darfst aber Herbert, bei aller notwendigen Realpolitik nicht vergessen“, warf Johannes ein, „dass das Elend in der Welt immer noch nicht, trotz unserer zahlreichen Proteste, geringer geworden ist. Ich bleibe bei meiner Linie. Ich opfere Jahr für Jahr meinen Urlaub und fliege zweimal zu den Entrechteten, schaue mir das an, protokolliere die sozialen Ungerechtigkeiten per Video und stelle dann meine Protestprotokolle ins Internet.“ Ein ganz normales Cocktailgespräch, wenn man in die Passatklasse aufgestiegen ist, und sich ein Erfahrungsaustausch über die ersten „Dritten“ als sehr erkenntnisfördernd erweist.
Wie in der guten, alten Zeit waren die ehemaligen Sequentiellen in tiefschürfende politische Diskurse geraten. Wovon Christiane sie erlöste, als sie gegen Mittag im „engsten Kreis“ ein von ihrem Lieblingsitaliener, der nur zum „Gelegenheitskreis“ zählt, „feuriges pollo al diavolo” und Prosecco servierte, bis dann gegen 15.00 Uhr auch der „erweiterte Familienkreis“, mit dem Christiane ihren 40. begehen wollte, anrückte. Da war auch der fast volljährige Jürgen aus der Badewanne gestiegen und wieder anwesend. Der Gerold hatte, nach seinem ersten Höhepunkt als Beitrag zum Fest wieder bürgerliche Kleidung angelegt und begrüßte, einen biologisch-ökologischen Rouge in der Hand haltend, den „erweiterten Kreis“ einzeln mit Küsschen rechts - Küsschen links. Christiane stellte beinahe alle ehemals Teilzeitparallelen allen ehemals Sequentiellen mit launigen Worten vor, wobei diese ohne größere Probleme ihre derzeitigen Lebensabschnittspartnerinnen dem Kreis der Feiernden zufügten, wobei der sich beträchtlich vermehrte, was in der Natur der Sache liegt.
Da füllte sich die reetdachgedeckte Kate (auch eine Oberstudienrätin und stellv. Aufsichtsrätin des örtlichen Wasserkraftwerkes, die einige Monate, also halbsequentiell, auch einen ortsansässigen Jungunternehmer zwischen den Beinen hatte, muss sich das leisten dürfen), und alle sangen „Happy birthsday ...“ und „So ein schöner Tag ...“, und erinnerten sich mit Wehmut daran, wie damals bei Gorleben der Widerstand so spontan, und der vermeintliche Widerstand von Christiane nur vorgetäuscht war. Aber, da hatten sich die Helden gerade erst auf¬gemacht, die Verhältnisse zu durchschauen, deren Folgen sie heute kaum noch überblicken können.
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Donnerstag, 16. August 2012
HURRA!
juppstexte, 12:31h
Als der Fußpilz weg war
Viktoria! Viktoria!
Der lästig Fußpilz nicht mehr da.
Du, Mutter! komm, und groß und klein
schnuppert! kommt und guckt zwischen Zehen mein,
nicht mehr die Spur vom hellen weißen Schleim.
Mein Fußpilz ging jetzt auf die Reisen,
du liebes Kind! Gott halt mir den Fuß gesund,
und steck die Zeh in deinen kleinen Mund,
musst vor Ekel nicht mehr scheißen!
Viktoria! Viktoria!
Der lästig Fußpilz nicht mehr da.
Du, Mutter! komm, und groß und klein
schnuppert! kommt und guckt zwischen Zehen mein,
nicht mehr die Spur vom hellen weißen Schleim.
Mein Fußpilz ging jetzt auf die Reisen,
du liebes Kind! Gott halt mir den Fuß gesund,
und steck die Zeh in deinen kleinen Mund,
musst vor Ekel nicht mehr scheißen!
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Mittwoch, 8. August 2012
DIE FRAGE BLEIBT
juppstexte, 13:14h
Halte dich still, arbeit dich nicht krumm,
nur nicht forschen, warum? warum?
Nur nicht bittre Fragen tauschen,
Antwort ist doch nur wie Ohrenrauschen.
Wenn dich auch letztlich das Sozialamt betreibt,
das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.
(nach Fontane)
nur nicht forschen, warum? warum?
Nur nicht bittre Fragen tauschen,
Antwort ist doch nur wie Ohrenrauschen.
Wenn dich auch letztlich das Sozialamt betreibt,
das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.
(nach Fontane)
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Mittwoch, 1. August 2012
SOMMERLICHE IMPRESSION
juppstexte, 17:28h
Klingt im Wind ein Wiegenlied,
Sonne warm ins Mieder sieht;
seiner Ähre, reif wie Korn,
rote Beere schwillt ihm vorn,
ganz hinweg ist ihre Ruh –
junge Frau, was zögerst du?
Sonne warm ins Mieder sieht;
seiner Ähre, reif wie Korn,
rote Beere schwillt ihm vorn,
ganz hinweg ist ihre Ruh –
junge Frau, was zögerst du?
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Mittwoch, 25. Juli 2012
Städter am Meer
juppstexte, 12:42h
Im heißen Sand, am Mittelmeer
rösten liegestuhlgereiht die Städter;
das Eisbein drückt den Magen schwer,
Elfriede – strechgepanzert – wirkt noch fetter,
als in Castrop-Rauxels Einkaufszone bekleidet,
die Wahrheit sich am Strand bewahrheitet.
Es rauscht kein Wald, es drückt aufs Herz,
dass abends Männe kommt, ist kein Verlass;
im Gedärme wühlt der Eisbeinschmerz,
der Becksverkäufer kommt vorbei,
das Männe nimmt sich nochmals drei.
In der Jugenddisco gibt es Gras.
Doch hängt der Städter ganzes Herz an dir,
du heißer Sand am Mittelmeer;
dein falscher Zauber für und für
ruht lächelnd doch auf dir, auf mir,
du Illusion, na bitte sehr.
rösten liegestuhlgereiht die Städter;
das Eisbein drückt den Magen schwer,
Elfriede – strechgepanzert – wirkt noch fetter,
als in Castrop-Rauxels Einkaufszone bekleidet,
die Wahrheit sich am Strand bewahrheitet.
Es rauscht kein Wald, es drückt aufs Herz,
dass abends Männe kommt, ist kein Verlass;
im Gedärme wühlt der Eisbeinschmerz,
der Becksverkäufer kommt vorbei,
das Männe nimmt sich nochmals drei.
In der Jugenddisco gibt es Gras.
Doch hängt der Städter ganzes Herz an dir,
du heißer Sand am Mittelmeer;
dein falscher Zauber für und für
ruht lächelnd doch auf dir, auf mir,
du Illusion, na bitte sehr.
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Mittwoch, 18. Juli 2012
Meeresstrand
juppstexte, 17:22h
Ins Haff nun kackt die Möwe,
und Dämmrung bricht herein;
trübet bei Kattegatten
das Meer mit ihrem Schleim.
Grüner Öko huschet
neben dem Wasser her;
Geschissenes treibend an Inseln
betrübet in sehr.
Er höret des gärenden Schlammes
dumpfblubbernden Ton,
einsames Würmerhusten –
so war es immer schon.
Noch einmal schauert leise,
der Öko entlässt einen Wind;
vernehmlich werden ihm Stimmen,
die ziemlich bescheuert sind.
und Dämmrung bricht herein;
trübet bei Kattegatten
das Meer mit ihrem Schleim.
Grüner Öko huschet
neben dem Wasser her;
Geschissenes treibend an Inseln
betrübet in sehr.
Er höret des gärenden Schlammes
dumpfblubbernden Ton,
einsames Würmerhusten –
so war es immer schon.
Noch einmal schauert leise,
der Öko entlässt einen Wind;
vernehmlich werden ihm Stimmen,
die ziemlich bescheuert sind.
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Mittwoch, 11. Juli 2012
An die Jungen
juppstexte, 13:08h
Lass dich leicht fesseln, lass dich nicht wirren
Durch spießige Kanaillen in deinem Lauf!
Die Lobeshymnen stinken, die Fliegen schwirren,
Halte dich nicht mit Kleinbürgerlichkeit auf.
Ein lüstern Schlund ist halbes Gewinnen,
Doch Promibums macht säckeweis Geld!
Kein Besinnen! Der Boxenluder-Königinnen
Silikoniert und gebotoxt billige Welt.
Wir kreischen, wir werben! Tristes wir färben
Welchen Gehirndeppen kümmert das schon.
O Schnäppchen! O blühendes Verderben!
Rausch des Vernunfttods, schwachsinniges Babylon!
(nach Heinrich Heine)
Durch spießige Kanaillen in deinem Lauf!
Die Lobeshymnen stinken, die Fliegen schwirren,
Halte dich nicht mit Kleinbürgerlichkeit auf.
Ein lüstern Schlund ist halbes Gewinnen,
Doch Promibums macht säckeweis Geld!
Kein Besinnen! Der Boxenluder-Königinnen
Silikoniert und gebotoxt billige Welt.
Wir kreischen, wir werben! Tristes wir färben
Welchen Gehirndeppen kümmert das schon.
O Schnäppchen! O blühendes Verderben!
Rausch des Vernunfttods, schwachsinniges Babylon!
(nach Heinrich Heine)
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Freitag, 6. Juli 2012
Ach wenn ich doch
juppstexte, 12:45h
Ach, wenn ich nur die Schaukel wär
Das Hirn spricht:
Ach, wenn ich nur die Schaukel wär,
Worauf Elfriedes Schenkel ruhn!
Und rollten sie brünstend hin und her,
Ich wollt, dass sie Gutes tun!
Das Handgelenk spricht:
Ach, wenn ich nur die Nadel wär,
Ins Kisschen steckte ich sie rein!
Und stöhnte sie: autsch, Göttlicher!
Nie würde ich mein Tun bereun.
Das Lied spricht:
Ach, wär ich doch das Heilklistier,
Das die Kokotte manchmal braucht!
Ich wollt im Darme flüstern ihr:
„Es kommt geflutscht“, was unsre Liebe braucht!
Das Hirn spricht:
Ach, wenn ich nur die Schaukel wär,
Worauf Elfriedes Schenkel ruhn!
Und rollten sie brünstend hin und her,
Ich wollt, dass sie Gutes tun!
Das Handgelenk spricht:
Ach, wenn ich nur die Nadel wär,
Ins Kisschen steckte ich sie rein!
Und stöhnte sie: autsch, Göttlicher!
Nie würde ich mein Tun bereun.
Das Lied spricht:
Ach, wär ich doch das Heilklistier,
Das die Kokotte manchmal braucht!
Ich wollt im Darme flüstern ihr:
„Es kommt geflutscht“, was unsre Liebe braucht!
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Mittwoch, 27. Juni 2012
Tragödie ohne lyrischen Einschlag
juppstexte, 18:27h
Sie standen und aßen am Stammtisch,
zu tilgen ihr nagendes Hungergefühl,
Kartoffelsalat mit gebackenem Seefisch.
Mampfe für fette Wampen: très ridicule.
„Die Remoulade schmeckt heute komisch!“
der schmatzende Gatte sprach.
Die Gattin säuert ironisch,
seufzet zwischen zwei Bissen: „Ach!“
Der Gatte öffnet den Mund weit:
„Der Fisch ist noch halb roh!“
„Ärger schadet Deiner Gesundheit.“
Der Gatte grunzt nur: „Wieso?“
Die Gattin plappert wehmütig:
„Die Liebe war unsre Passion.“
„Der Kartoffelsalat ist mir zu ölig!“
Dann gingen die Gatten davon.
Am Tische war noch ein Plätzchen;
ohmannohmann, da hab ich gefehlt,
den Damen und Herrn hätt ich mit spottenden Sätzchen,
erklärt, was ihnen zum Leben fehlt.
(nach Heinrich Heine)
zu tilgen ihr nagendes Hungergefühl,
Kartoffelsalat mit gebackenem Seefisch.
Mampfe für fette Wampen: très ridicule.
„Die Remoulade schmeckt heute komisch!“
der schmatzende Gatte sprach.
Die Gattin säuert ironisch,
seufzet zwischen zwei Bissen: „Ach!“
Der Gatte öffnet den Mund weit:
„Der Fisch ist noch halb roh!“
„Ärger schadet Deiner Gesundheit.“
Der Gatte grunzt nur: „Wieso?“
Die Gattin plappert wehmütig:
„Die Liebe war unsre Passion.“
„Der Kartoffelsalat ist mir zu ölig!“
Dann gingen die Gatten davon.
Am Tische war noch ein Plätzchen;
ohmannohmann, da hab ich gefehlt,
den Damen und Herrn hätt ich mit spottenden Sätzchen,
erklärt, was ihnen zum Leben fehlt.
(nach Heinrich Heine)
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