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Donnerstag, 7. Juni 2012
Der Apfelbaum trägt keine Kondome
juppstexte, 21:23h
In unübersichtlichen Zeiten wie diesen heutzutagigen, da wir täglich unter Lawinen von Unsinnigkeiten begraben werden – man denke nur an Regie-rungserklärungen, Betroffenheitslyrik der „Freunde der Mutter Erde e.V.“ oder Gutachten des Bauernverbandes -, in verworrenen Zeiten also, in denen vielen Menschen zwar der altbewährte Glaube an den Klapperstorch abhanden gekommen ist, sie aber daran glauben, dass Psychotherapeuten die Seele ebenso heilen, wie Zitronenfalter Zitronen falten können, dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Klare Gedanken müssen wir gewinnen und sie auf den Begriff bringen, also uns über wesentliche Dinge aufklären, um ob des Unsinns des kübelweisen Informationsmülls nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Die aus derart präzisem Nachdenken zu erwartenden Früchte sind es wert, den schwierigen Gang zu wagen. Gelegentlich ertragen wir ja auch den Gang zum Zahnarzt oder einer Freundin. Zugegeben, diese fügen uns nicht solche höllischen Schmerzen zu wie eine Presseerklärung der FDP.
Beginnen wir mit derart löblichem Tun der Aufklärung, wenden wir uns dem ersten Teil des Titels, dem Apfelbaum in seiner naturgemäßen Wesenheit zu, damit der Vorrede zum Thema auch eine Rede folgt.
Der Apfelbaum ist von seiner Natur her dazu geeignet und bestimmt, Äpfel, die Früchte als Ergebnis seines Wirkens hervorzubringen. Als zweckgerichtetes biologisch-organisches System umfasst er natürliche, interne und externe Teilelemente wie Triebe, Blüten und deren Duft oder fleißige Bienen, die sich allesamt dem Systemzweck unterordnen und ihm dienen.
Das System „Apfelbaum“ verhilft uns zu einem ungetrübten Naturgenuss.
Das Kondom ist in scharfem Gegensatz zum Baum kein Natur-, sondern ein Kulturprodukt, auch wenn es – zumindest im höheren Qualitätssegment – weitgehend aus Naturprodukten gefertigt wird. Zwar ist auch das System Kondom ziel- und zweckgerichtet, aber auch in dieser Hinsicht steht es diametral zur Wesenheit des Apfelbaumes. Will es doch bewirken, dass der Träger des Systems keine Früchte hervorbringt.
Auch ist das System des Kondoms wesentlich geringer differenziert als jenes des Apfelbaumes, systemtheoretisch lässt sich sagen (auch wenn wir die Beschaffenheit des Kondoms beim Gebrauch desselben durchaus als drei-dimensional erleben), dass es ein eindimensionales System ist. Einige Hinweise mögen zur Begründung genügen. Während der Apfelbaum über viele Jahre immer wieder nutzbar ist, und nach dem Fällen noch zu Brennholz taugt, wird beim Kondom dringend empfohlen, es nur einmal zu benutzen und nach dem Fall des es tragenden Körperteils in der Tonne für Restwertstoffe zu entsorgen.
Zudem trägt das Kondom als Kulturprodukt, im Gegensatz zum Naturprodukt Apfelbaum, keine Äste, was aber auch praktisch ist, weil dadurch bei seinem Gebrauch den beteiligten Organen der Beglückten keine schmerzlichen Irritationen entstehen.
Wenn das Kondom mit Blüten bedruckt und mit Duft ausgestattet ist, so handelt es sich um zwar nette, aber keineswegs für die Funktionsfähigkeit des Objekts unabdingbar notwendige Applikationen. Schließlich bedarf es für die Anwendung eines Kondoms keiner fleißigen Bienen im natürlichen Wortsinn, sondern nur deren aktive Anwesenheit im übertragenen Wortsinne dergestalt, dass sie keinen Nektar aus den aufgedruckten Blüten saugen wollen. Allerdings freut sich der Träger eines Kondoms, wenn Bienen im übertragenen Sinne fleißig ganz im Wortsinne sind.
Das System „Kondom“ verhilft uns zu einem ungetrübten Kulturgenuss.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass die Aussage, „der Apfelbaum trägt keine Kondome“ eine sehr sinnhaltige Feststellung ist. Nicht nur, dass der dann „Kondombaum“ heißen müsste, darüber hinaus ein klarer Fall dessen, dass Natur- und Kulturprodukte wegen ihrer konträren Zielgerichtetheit unterschiedlichen Beschaffungs- und Gebrauchsformen unterliegen. Die einen züchtet man auf einer Streuobstwiese, die anderen kauft man bei Beate Uhse.
Ein Zusatz scheint mir notwendig, damit ich nicht vorschnell in die Kiste des uneingeschränkten „zurück zur Natur“ gesteckt werde. Es gibt durchaus sinnvolle und praktische Schnittmengen zwischen den Systemen „Natur“ und „Kultur“ und den damit verbundenen Genüssen. Wenn etwa frühsommers auf dem Apfelbaum die Triebe sprießen, dürfen wir uns berauscht vom Blütenduft auf die herbstlichen Früchte auf dem Baum freuen. Wünschen wir keine spätherbstlichen Früchte als Folge des Geschehens unter dem Baum, gilt es, die Idylle um ein Kondom zu ergänzen.
Beginnen wir mit derart löblichem Tun der Aufklärung, wenden wir uns dem ersten Teil des Titels, dem Apfelbaum in seiner naturgemäßen Wesenheit zu, damit der Vorrede zum Thema auch eine Rede folgt.
Der Apfelbaum ist von seiner Natur her dazu geeignet und bestimmt, Äpfel, die Früchte als Ergebnis seines Wirkens hervorzubringen. Als zweckgerichtetes biologisch-organisches System umfasst er natürliche, interne und externe Teilelemente wie Triebe, Blüten und deren Duft oder fleißige Bienen, die sich allesamt dem Systemzweck unterordnen und ihm dienen.
Das System „Apfelbaum“ verhilft uns zu einem ungetrübten Naturgenuss.
Das Kondom ist in scharfem Gegensatz zum Baum kein Natur-, sondern ein Kulturprodukt, auch wenn es – zumindest im höheren Qualitätssegment – weitgehend aus Naturprodukten gefertigt wird. Zwar ist auch das System Kondom ziel- und zweckgerichtet, aber auch in dieser Hinsicht steht es diametral zur Wesenheit des Apfelbaumes. Will es doch bewirken, dass der Träger des Systems keine Früchte hervorbringt.
Auch ist das System des Kondoms wesentlich geringer differenziert als jenes des Apfelbaumes, systemtheoretisch lässt sich sagen (auch wenn wir die Beschaffenheit des Kondoms beim Gebrauch desselben durchaus als drei-dimensional erleben), dass es ein eindimensionales System ist. Einige Hinweise mögen zur Begründung genügen. Während der Apfelbaum über viele Jahre immer wieder nutzbar ist, und nach dem Fällen noch zu Brennholz taugt, wird beim Kondom dringend empfohlen, es nur einmal zu benutzen und nach dem Fall des es tragenden Körperteils in der Tonne für Restwertstoffe zu entsorgen.
Zudem trägt das Kondom als Kulturprodukt, im Gegensatz zum Naturprodukt Apfelbaum, keine Äste, was aber auch praktisch ist, weil dadurch bei seinem Gebrauch den beteiligten Organen der Beglückten keine schmerzlichen Irritationen entstehen.
Wenn das Kondom mit Blüten bedruckt und mit Duft ausgestattet ist, so handelt es sich um zwar nette, aber keineswegs für die Funktionsfähigkeit des Objekts unabdingbar notwendige Applikationen. Schließlich bedarf es für die Anwendung eines Kondoms keiner fleißigen Bienen im natürlichen Wortsinn, sondern nur deren aktive Anwesenheit im übertragenen Wortsinne dergestalt, dass sie keinen Nektar aus den aufgedruckten Blüten saugen wollen. Allerdings freut sich der Träger eines Kondoms, wenn Bienen im übertragenen Sinne fleißig ganz im Wortsinne sind.
Das System „Kondom“ verhilft uns zu einem ungetrübten Kulturgenuss.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass die Aussage, „der Apfelbaum trägt keine Kondome“ eine sehr sinnhaltige Feststellung ist. Nicht nur, dass der dann „Kondombaum“ heißen müsste, darüber hinaus ein klarer Fall dessen, dass Natur- und Kulturprodukte wegen ihrer konträren Zielgerichtetheit unterschiedlichen Beschaffungs- und Gebrauchsformen unterliegen. Die einen züchtet man auf einer Streuobstwiese, die anderen kauft man bei Beate Uhse.
Ein Zusatz scheint mir notwendig, damit ich nicht vorschnell in die Kiste des uneingeschränkten „zurück zur Natur“ gesteckt werde. Es gibt durchaus sinnvolle und praktische Schnittmengen zwischen den Systemen „Natur“ und „Kultur“ und den damit verbundenen Genüssen. Wenn etwa frühsommers auf dem Apfelbaum die Triebe sprießen, dürfen wir uns berauscht vom Blütenduft auf die herbstlichen Früchte auf dem Baum freuen. Wünschen wir keine spätherbstlichen Früchte als Folge des Geschehens unter dem Baum, gilt es, die Idylle um ein Kondom zu ergänzen.
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Mittwoch, 6. Juni 2012
Als die Maus der Katze in den Schwanz biss
juppstexte, 21:15h
Als sich das o.g. Geschehen ereignete, war die Sonne bereits seit 3:42 Stunden M.E.Z. hinter der markanten Silhouette der „Kreuzbuche“ untergegangen. Und, obwohl sich an der soeben näher beschriebenen Stelle das o.g. Geschehen nicht ereignete, war danach nichts mehr wie es vorher noch anässlich 3:41 M.E.Z. nach dem Sonnenuntergang war. Mit anderen Worten genauer gesagt, alles war anders.
Ein besorgtes Kopfschütteln erregendes und überraschtes Staunen bewirkendes Geschehen, das sich aus zumindest zwei nachvollziehbaren Gründen nicht tief in das kollektive Gedächtnis der Menschheit einprägen wird. A) 3:42 nach Sonnenuntergang sind die Menschen mit Dingen beschäftigt, die jegliche Empathie in das Geschehen zwischen Mäusezähnen und einem Katzenschwanz schon im Keim ersticken. Entweder sie fernsehen oder schlafen, weil sie bis zum Frühstücksfernsehen nichts Besseres zu tun wis-sen. B) Ohnehin kennen Menschen Mäuse und Katzen nur noch als denaturierte Derivate ihrer Kultur, was generell auf fehlendes Empathievermögen für natürlich tierische Vorgänge schließen lässt. Sie nehmen jene nur noch als graupelzige Objekte mit hervorgequollenen Knopfaugen als unansehnli-ches Ergebnis käsebestückter Fallen wahr, diese als Therapieersatzobjekte, als Konsumenten von Produkten, die – gegen harte Euro im Supermarkt er-worben – den widerlichen Inhalt von Weißblechdosen hineinschlabbern und scharfriechendes Stresspinkeln veranstalten, wenn ihr Frauchen gelegentlich ein Herrchen als Beleger ihres Kopfkissens bevorzugt. Hätte Spengler diese Abartigkeit von Degeneriertheit bereits gekannt, er hätte seinen Bestseller mit ‚Generation Untergang des Abendlandes !!’ (mit zwei Ausrufezeichen !!) betitelt, statt nur ein unspektakuläres ‚Untergang’ zu verwenden.
Also, um unserem Thema einen Fortgang zu geben, als die Maus der Katze in den Schwanz biss ereignete sich ein Geschehen, das deutliche Spuren, die man physisch als schmerzhafte Verletzung und psychisch als schmerzliche Empfindung bezeichnen kann. Wobei sich schon in diesen wenigen Worten andeutet, dass es sich bei einem solchen Vorkommenden um einen ambivalent-komplexen Prozess handelt, da die Beteiligten in ihren jeweiligen Rollen als Betreiber oder Erleider in das hic et nunc involviert sind, und zudem diesen aus ihrem Handeln Komplexe zuwachsen, die nur in einer Feng-Shui-orientierten tiertherapeutischen Praxis – gegen harte Euro - gelindert werden können.
Ein beinahe hoffnungsloses Unterfangen, eine konfliktvermeidende Strategie in diese verwirrende Gemengelage einbringen zu können. Denn welches Frauchen, 3:42 nach dem Sonnenuntergang hinter der markanten Silhouette der „Kreuzbuche“ bereits schlafend, offenbart schon – am Tag nach der Entdeckung des nächtlichen, traumaauslösenden Desasters - ihrem eiligst aufgesuchten Psychiater, dass sie ein Mäuschen im Reiheneckhaus mit Doppelgarage hat? Da werden auch Psychiater hilflos. Sie können – trotz harter Euro – das Frauchen nicht der Gesundung zuführen, wenn es das Vorhandensein eines Mäuschens verdrängt. Wie sollen Wirklichkeiten ver-ändert, wenn sie nicht zur Kenntnis genommen werden?
Vereinfachen wir die ambivalent-komplexe Realität, da wir sie nicht in Gänze dekonstruieren können, indem wir uns auf die wesentlichen Struktu-ren des sich zwischen Maus und Katze Ereignendem konzentrieren, wenn eine Maus einer Katze in den Schwanz beißt.
Bezüglich der Maus wäre zu sagen – soweit wir uns nachfühlend in ihre nächtliche Befindlichkeit versetzen können -, dass sie eine zuerst euphorische Triebabfuhr erlebte, als ihre Mausezähnchen, das Fell durchdrungen habend, den 2. Endwirbel des Schwanzes der Katze erreichten, den sie allerdings nicht vollständig durchdringen konnten. Das Geschehen ließe sich bewerten als manifest gewordene Ausprägung von Größenwahn, wie er offenbar allen Säugern anevolutioniert ist. Keine vernünftige Maus wird mit ihren kleinen Zähnchen das Bollwerk des 2. Endwirbels eines Katzen-schwanzes zu brechen versuchen. Nun sind Säuger halt öfters unvernünftig, und damit ist auch der Fortgang der Erzählung gewährleistet. So wird auch der rasch folgende Frust der Maus über den nicht zum vollen Erfolg gelangte Angriff auf den Erbfeind, die Inkarnation des Bösen, einer Erklärung zu-gänglich. Zuerst in einer, noch relativ milden Vorstufe, als sich in den Muskeln und Sehnen, die ein Mäusegebiss in den Kiefern mit den anderen Bestandteilen des Mäuseschädels verbinden, ein heftiger Zieh- und Überdehnungsschmerz bemerkbar machte. Das Wollen der Maus hatte offensichtlich die Schmerzgrenze zu ihrem Können, beruhend auf der Kombination von Knochen, Sehnen und Muskeln, überschreiten lassen. Vor allem aber wird es, in der Vollwirkungsstufe des sich aufbauenden Frustes, bei der Maus zu einem reichlichen Adrenalinausstoß gekommen sein, als ihr – die Zähnchen sich vergeblich an der vollständigen Abtrennung des 2. Endwirbels vom Vorderteil des Schwanzes der Katze versuchend – schmerzlich bewusst wurde: „Mäuslein, Mäuslein, wenn du mit deiner ungesunden, unnatürlichen Lebensweise so weitermachst, wirst du dich demnächst mit der Problematik der ‚Dritten’ auseinander setzen müssen“. Das bedeutet seelenzermürbenden Dauerfrust.
Mit großer Gewissheit kann man davon ausgehen, dass der Katze der Biss der Maus in ihren Schwanz ganz im Wortsinn auf die Nerven ging. Wir können das völlig logisch aus der neuronalen Konstitution der Schwänze von Säugern herleiten, denn bei ihnen reichen die Nervenstränge bis in die Schwanzspitze, sie müssen deshalb auch im 2. Endwirbel vorhanden und für einen Reinbiss ebenso empfindlich sein, wie es bei einer Schwanzspitze im allgemeinen der Fall ist, denn sie ist nicht zum Reinbeißen evolutioniert worden. Welcher logisch an sich schon stringente Beweis durch das Geschehen in der von uns zu betrachtenden Situation eine klare Bestätigung erfährt: als die Maus der Katze in den Schwanz biss, ging deren alltägliche Artikulation „miau“ deutlich in eine Laut- und Bedeutungsverschiebung in Richtung „miau-au-au-au“ über, was die rachwütige Maus in ihrer adrena-linbewirkten Euphorie als triumphierendes „au-au-tut-ihr-das-weh!“ inter-pretierte – was übrigens eine zutreffende Interpretation ihrer tatsächlichen Befindlichkeit war - und sich sehr darob freute.
Wenngleich das dramatische Geschehen in jener Nacht, 3:42 Stunden M.E.Z. nach Sonnenuntergang hinter der markanten Silhouette der „Kreuz-buche“ nicht mit dem ungleich bedeutungsvolleren Verletzungscharakter eines Penisbruches gleichgesetzt werden kann, so können und dürfen wir unsere Augen nicht vor der Tatsache verschließen, dass ein solches Drama auch bei einem Katzenschwanz zu traumatischen Folgen führen muss. Wie geschändet und ihres stolzesten Schmuckes beraubt muss sich doch eine Katze fühlen, wenn sie künftig zu ihrem Abfallfraß aus der Weißblechdose, oder auf Frauchens Kopfkissen nur noch mit abgeknicktem Schwanzende schleichen kann. Ihrem natürlichen Abscheuverhalten bleibt nur noch ihr Stresspinkeln quer durch die Wohnung erhalten, da dieses unabhängig davon ausgeführt werden kann, ob der Schwanz frei oder leicht abgeknickt wedelt.
Wir Menschen müssen endlich unser betroffenes „Herz für Tiere“ in die Tat umsetzen, und neben dem Tiertherapeuten auch dem restaurierenden Schönheitschirurgen die Segnungen der Krankenkasse zuteil werden lassen. Das Weltgewissen der Mutter Erde muss uns zutiefst ergreifen, das da unmissverständlich postuliert: „das Erhabendste der Schöpfung ist ein intakter Schwanz“.
Ein besorgtes Kopfschütteln erregendes und überraschtes Staunen bewirkendes Geschehen, das sich aus zumindest zwei nachvollziehbaren Gründen nicht tief in das kollektive Gedächtnis der Menschheit einprägen wird. A) 3:42 nach Sonnenuntergang sind die Menschen mit Dingen beschäftigt, die jegliche Empathie in das Geschehen zwischen Mäusezähnen und einem Katzenschwanz schon im Keim ersticken. Entweder sie fernsehen oder schlafen, weil sie bis zum Frühstücksfernsehen nichts Besseres zu tun wis-sen. B) Ohnehin kennen Menschen Mäuse und Katzen nur noch als denaturierte Derivate ihrer Kultur, was generell auf fehlendes Empathievermögen für natürlich tierische Vorgänge schließen lässt. Sie nehmen jene nur noch als graupelzige Objekte mit hervorgequollenen Knopfaugen als unansehnli-ches Ergebnis käsebestückter Fallen wahr, diese als Therapieersatzobjekte, als Konsumenten von Produkten, die – gegen harte Euro im Supermarkt er-worben – den widerlichen Inhalt von Weißblechdosen hineinschlabbern und scharfriechendes Stresspinkeln veranstalten, wenn ihr Frauchen gelegentlich ein Herrchen als Beleger ihres Kopfkissens bevorzugt. Hätte Spengler diese Abartigkeit von Degeneriertheit bereits gekannt, er hätte seinen Bestseller mit ‚Generation Untergang des Abendlandes !!’ (mit zwei Ausrufezeichen !!) betitelt, statt nur ein unspektakuläres ‚Untergang’ zu verwenden.
Also, um unserem Thema einen Fortgang zu geben, als die Maus der Katze in den Schwanz biss ereignete sich ein Geschehen, das deutliche Spuren, die man physisch als schmerzhafte Verletzung und psychisch als schmerzliche Empfindung bezeichnen kann. Wobei sich schon in diesen wenigen Worten andeutet, dass es sich bei einem solchen Vorkommenden um einen ambivalent-komplexen Prozess handelt, da die Beteiligten in ihren jeweiligen Rollen als Betreiber oder Erleider in das hic et nunc involviert sind, und zudem diesen aus ihrem Handeln Komplexe zuwachsen, die nur in einer Feng-Shui-orientierten tiertherapeutischen Praxis – gegen harte Euro - gelindert werden können.
Ein beinahe hoffnungsloses Unterfangen, eine konfliktvermeidende Strategie in diese verwirrende Gemengelage einbringen zu können. Denn welches Frauchen, 3:42 nach dem Sonnenuntergang hinter der markanten Silhouette der „Kreuzbuche“ bereits schlafend, offenbart schon – am Tag nach der Entdeckung des nächtlichen, traumaauslösenden Desasters - ihrem eiligst aufgesuchten Psychiater, dass sie ein Mäuschen im Reiheneckhaus mit Doppelgarage hat? Da werden auch Psychiater hilflos. Sie können – trotz harter Euro – das Frauchen nicht der Gesundung zuführen, wenn es das Vorhandensein eines Mäuschens verdrängt. Wie sollen Wirklichkeiten ver-ändert, wenn sie nicht zur Kenntnis genommen werden?
Vereinfachen wir die ambivalent-komplexe Realität, da wir sie nicht in Gänze dekonstruieren können, indem wir uns auf die wesentlichen Struktu-ren des sich zwischen Maus und Katze Ereignendem konzentrieren, wenn eine Maus einer Katze in den Schwanz beißt.
Bezüglich der Maus wäre zu sagen – soweit wir uns nachfühlend in ihre nächtliche Befindlichkeit versetzen können -, dass sie eine zuerst euphorische Triebabfuhr erlebte, als ihre Mausezähnchen, das Fell durchdrungen habend, den 2. Endwirbel des Schwanzes der Katze erreichten, den sie allerdings nicht vollständig durchdringen konnten. Das Geschehen ließe sich bewerten als manifest gewordene Ausprägung von Größenwahn, wie er offenbar allen Säugern anevolutioniert ist. Keine vernünftige Maus wird mit ihren kleinen Zähnchen das Bollwerk des 2. Endwirbels eines Katzen-schwanzes zu brechen versuchen. Nun sind Säuger halt öfters unvernünftig, und damit ist auch der Fortgang der Erzählung gewährleistet. So wird auch der rasch folgende Frust der Maus über den nicht zum vollen Erfolg gelangte Angriff auf den Erbfeind, die Inkarnation des Bösen, einer Erklärung zu-gänglich. Zuerst in einer, noch relativ milden Vorstufe, als sich in den Muskeln und Sehnen, die ein Mäusegebiss in den Kiefern mit den anderen Bestandteilen des Mäuseschädels verbinden, ein heftiger Zieh- und Überdehnungsschmerz bemerkbar machte. Das Wollen der Maus hatte offensichtlich die Schmerzgrenze zu ihrem Können, beruhend auf der Kombination von Knochen, Sehnen und Muskeln, überschreiten lassen. Vor allem aber wird es, in der Vollwirkungsstufe des sich aufbauenden Frustes, bei der Maus zu einem reichlichen Adrenalinausstoß gekommen sein, als ihr – die Zähnchen sich vergeblich an der vollständigen Abtrennung des 2. Endwirbels vom Vorderteil des Schwanzes der Katze versuchend – schmerzlich bewusst wurde: „Mäuslein, Mäuslein, wenn du mit deiner ungesunden, unnatürlichen Lebensweise so weitermachst, wirst du dich demnächst mit der Problematik der ‚Dritten’ auseinander setzen müssen“. Das bedeutet seelenzermürbenden Dauerfrust.
Mit großer Gewissheit kann man davon ausgehen, dass der Katze der Biss der Maus in ihren Schwanz ganz im Wortsinn auf die Nerven ging. Wir können das völlig logisch aus der neuronalen Konstitution der Schwänze von Säugern herleiten, denn bei ihnen reichen die Nervenstränge bis in die Schwanzspitze, sie müssen deshalb auch im 2. Endwirbel vorhanden und für einen Reinbiss ebenso empfindlich sein, wie es bei einer Schwanzspitze im allgemeinen der Fall ist, denn sie ist nicht zum Reinbeißen evolutioniert worden. Welcher logisch an sich schon stringente Beweis durch das Geschehen in der von uns zu betrachtenden Situation eine klare Bestätigung erfährt: als die Maus der Katze in den Schwanz biss, ging deren alltägliche Artikulation „miau“ deutlich in eine Laut- und Bedeutungsverschiebung in Richtung „miau-au-au-au“ über, was die rachwütige Maus in ihrer adrena-linbewirkten Euphorie als triumphierendes „au-au-tut-ihr-das-weh!“ inter-pretierte – was übrigens eine zutreffende Interpretation ihrer tatsächlichen Befindlichkeit war - und sich sehr darob freute.
Wenngleich das dramatische Geschehen in jener Nacht, 3:42 Stunden M.E.Z. nach Sonnenuntergang hinter der markanten Silhouette der „Kreuz-buche“ nicht mit dem ungleich bedeutungsvolleren Verletzungscharakter eines Penisbruches gleichgesetzt werden kann, so können und dürfen wir unsere Augen nicht vor der Tatsache verschließen, dass ein solches Drama auch bei einem Katzenschwanz zu traumatischen Folgen führen muss. Wie geschändet und ihres stolzesten Schmuckes beraubt muss sich doch eine Katze fühlen, wenn sie künftig zu ihrem Abfallfraß aus der Weißblechdose, oder auf Frauchens Kopfkissen nur noch mit abgeknicktem Schwanzende schleichen kann. Ihrem natürlichen Abscheuverhalten bleibt nur noch ihr Stresspinkeln quer durch die Wohnung erhalten, da dieses unabhängig davon ausgeführt werden kann, ob der Schwanz frei oder leicht abgeknickt wedelt.
Wir Menschen müssen endlich unser betroffenes „Herz für Tiere“ in die Tat umsetzen, und neben dem Tiertherapeuten auch dem restaurierenden Schönheitschirurgen die Segnungen der Krankenkasse zuteil werden lassen. Das Weltgewissen der Mutter Erde muss uns zutiefst ergreifen, das da unmissverständlich postuliert: „das Erhabendste der Schöpfung ist ein intakter Schwanz“.
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