... newer stories
Donnerstag, 7. Juni 2012
Der Apfelbaum trägt keine Kondome
juppstexte, 21:23h
In unübersichtlichen Zeiten wie diesen heutzutagigen, da wir täglich unter Lawinen von Unsinnigkeiten begraben werden – man denke nur an Regie-rungserklärungen, Betroffenheitslyrik der „Freunde der Mutter Erde e.V.“ oder Gutachten des Bauernverbandes -, in verworrenen Zeiten also, in denen vielen Menschen zwar der altbewährte Glaube an den Klapperstorch abhanden gekommen ist, sie aber daran glauben, dass Psychotherapeuten die Seele ebenso heilen, wie Zitronenfalter Zitronen falten können, dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Klare Gedanken müssen wir gewinnen und sie auf den Begriff bringen, also uns über wesentliche Dinge aufklären, um ob des Unsinns des kübelweisen Informationsmülls nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Die aus derart präzisem Nachdenken zu erwartenden Früchte sind es wert, den schwierigen Gang zu wagen. Gelegentlich ertragen wir ja auch den Gang zum Zahnarzt oder einer Freundin. Zugegeben, diese fügen uns nicht solche höllischen Schmerzen zu wie eine Presseerklärung der FDP.
Beginnen wir mit derart löblichem Tun der Aufklärung, wenden wir uns dem ersten Teil des Titels, dem Apfelbaum in seiner naturgemäßen Wesenheit zu, damit der Vorrede zum Thema auch eine Rede folgt.
Der Apfelbaum ist von seiner Natur her dazu geeignet und bestimmt, Äpfel, die Früchte als Ergebnis seines Wirkens hervorzubringen. Als zweckgerichtetes biologisch-organisches System umfasst er natürliche, interne und externe Teilelemente wie Triebe, Blüten und deren Duft oder fleißige Bienen, die sich allesamt dem Systemzweck unterordnen und ihm dienen.
Das System „Apfelbaum“ verhilft uns zu einem ungetrübten Naturgenuss.
Das Kondom ist in scharfem Gegensatz zum Baum kein Natur-, sondern ein Kulturprodukt, auch wenn es – zumindest im höheren Qualitätssegment – weitgehend aus Naturprodukten gefertigt wird. Zwar ist auch das System Kondom ziel- und zweckgerichtet, aber auch in dieser Hinsicht steht es diametral zur Wesenheit des Apfelbaumes. Will es doch bewirken, dass der Träger des Systems keine Früchte hervorbringt.
Auch ist das System des Kondoms wesentlich geringer differenziert als jenes des Apfelbaumes, systemtheoretisch lässt sich sagen (auch wenn wir die Beschaffenheit des Kondoms beim Gebrauch desselben durchaus als drei-dimensional erleben), dass es ein eindimensionales System ist. Einige Hinweise mögen zur Begründung genügen. Während der Apfelbaum über viele Jahre immer wieder nutzbar ist, und nach dem Fällen noch zu Brennholz taugt, wird beim Kondom dringend empfohlen, es nur einmal zu benutzen und nach dem Fall des es tragenden Körperteils in der Tonne für Restwertstoffe zu entsorgen.
Zudem trägt das Kondom als Kulturprodukt, im Gegensatz zum Naturprodukt Apfelbaum, keine Äste, was aber auch praktisch ist, weil dadurch bei seinem Gebrauch den beteiligten Organen der Beglückten keine schmerzlichen Irritationen entstehen.
Wenn das Kondom mit Blüten bedruckt und mit Duft ausgestattet ist, so handelt es sich um zwar nette, aber keineswegs für die Funktionsfähigkeit des Objekts unabdingbar notwendige Applikationen. Schließlich bedarf es für die Anwendung eines Kondoms keiner fleißigen Bienen im natürlichen Wortsinn, sondern nur deren aktive Anwesenheit im übertragenen Wortsinne dergestalt, dass sie keinen Nektar aus den aufgedruckten Blüten saugen wollen. Allerdings freut sich der Träger eines Kondoms, wenn Bienen im übertragenen Sinne fleißig ganz im Wortsinne sind.
Das System „Kondom“ verhilft uns zu einem ungetrübten Kulturgenuss.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass die Aussage, „der Apfelbaum trägt keine Kondome“ eine sehr sinnhaltige Feststellung ist. Nicht nur, dass der dann „Kondombaum“ heißen müsste, darüber hinaus ein klarer Fall dessen, dass Natur- und Kulturprodukte wegen ihrer konträren Zielgerichtetheit unterschiedlichen Beschaffungs- und Gebrauchsformen unterliegen. Die einen züchtet man auf einer Streuobstwiese, die anderen kauft man bei Beate Uhse.
Ein Zusatz scheint mir notwendig, damit ich nicht vorschnell in die Kiste des uneingeschränkten „zurück zur Natur“ gesteckt werde. Es gibt durchaus sinnvolle und praktische Schnittmengen zwischen den Systemen „Natur“ und „Kultur“ und den damit verbundenen Genüssen. Wenn etwa frühsommers auf dem Apfelbaum die Triebe sprießen, dürfen wir uns berauscht vom Blütenduft auf die herbstlichen Früchte auf dem Baum freuen. Wünschen wir keine spätherbstlichen Früchte als Folge des Geschehens unter dem Baum, gilt es, die Idylle um ein Kondom zu ergänzen.
Beginnen wir mit derart löblichem Tun der Aufklärung, wenden wir uns dem ersten Teil des Titels, dem Apfelbaum in seiner naturgemäßen Wesenheit zu, damit der Vorrede zum Thema auch eine Rede folgt.
Der Apfelbaum ist von seiner Natur her dazu geeignet und bestimmt, Äpfel, die Früchte als Ergebnis seines Wirkens hervorzubringen. Als zweckgerichtetes biologisch-organisches System umfasst er natürliche, interne und externe Teilelemente wie Triebe, Blüten und deren Duft oder fleißige Bienen, die sich allesamt dem Systemzweck unterordnen und ihm dienen.
Das System „Apfelbaum“ verhilft uns zu einem ungetrübten Naturgenuss.
Das Kondom ist in scharfem Gegensatz zum Baum kein Natur-, sondern ein Kulturprodukt, auch wenn es – zumindest im höheren Qualitätssegment – weitgehend aus Naturprodukten gefertigt wird. Zwar ist auch das System Kondom ziel- und zweckgerichtet, aber auch in dieser Hinsicht steht es diametral zur Wesenheit des Apfelbaumes. Will es doch bewirken, dass der Träger des Systems keine Früchte hervorbringt.
Auch ist das System des Kondoms wesentlich geringer differenziert als jenes des Apfelbaumes, systemtheoretisch lässt sich sagen (auch wenn wir die Beschaffenheit des Kondoms beim Gebrauch desselben durchaus als drei-dimensional erleben), dass es ein eindimensionales System ist. Einige Hinweise mögen zur Begründung genügen. Während der Apfelbaum über viele Jahre immer wieder nutzbar ist, und nach dem Fällen noch zu Brennholz taugt, wird beim Kondom dringend empfohlen, es nur einmal zu benutzen und nach dem Fall des es tragenden Körperteils in der Tonne für Restwertstoffe zu entsorgen.
Zudem trägt das Kondom als Kulturprodukt, im Gegensatz zum Naturprodukt Apfelbaum, keine Äste, was aber auch praktisch ist, weil dadurch bei seinem Gebrauch den beteiligten Organen der Beglückten keine schmerzlichen Irritationen entstehen.
Wenn das Kondom mit Blüten bedruckt und mit Duft ausgestattet ist, so handelt es sich um zwar nette, aber keineswegs für die Funktionsfähigkeit des Objekts unabdingbar notwendige Applikationen. Schließlich bedarf es für die Anwendung eines Kondoms keiner fleißigen Bienen im natürlichen Wortsinn, sondern nur deren aktive Anwesenheit im übertragenen Wortsinne dergestalt, dass sie keinen Nektar aus den aufgedruckten Blüten saugen wollen. Allerdings freut sich der Träger eines Kondoms, wenn Bienen im übertragenen Sinne fleißig ganz im Wortsinne sind.
Das System „Kondom“ verhilft uns zu einem ungetrübten Kulturgenuss.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass die Aussage, „der Apfelbaum trägt keine Kondome“ eine sehr sinnhaltige Feststellung ist. Nicht nur, dass der dann „Kondombaum“ heißen müsste, darüber hinaus ein klarer Fall dessen, dass Natur- und Kulturprodukte wegen ihrer konträren Zielgerichtetheit unterschiedlichen Beschaffungs- und Gebrauchsformen unterliegen. Die einen züchtet man auf einer Streuobstwiese, die anderen kauft man bei Beate Uhse.
Ein Zusatz scheint mir notwendig, damit ich nicht vorschnell in die Kiste des uneingeschränkten „zurück zur Natur“ gesteckt werde. Es gibt durchaus sinnvolle und praktische Schnittmengen zwischen den Systemen „Natur“ und „Kultur“ und den damit verbundenen Genüssen. Wenn etwa frühsommers auf dem Apfelbaum die Triebe sprießen, dürfen wir uns berauscht vom Blütenduft auf die herbstlichen Früchte auf dem Baum freuen. Wünschen wir keine spätherbstlichen Früchte als Folge des Geschehens unter dem Baum, gilt es, die Idylle um ein Kondom zu ergänzen.
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories